23-05-2015, 13:03
Mit dem Patent für den Blockmotor aus dem Jahr 1961 müssen wir den damaligen US-Spielzeuggiganten Marx bei unseren Gedankenspielen einbeziehen. Im Moment sieht es etwa so aus:
Marusan erleidet 1961 oder bald darauf im japanischen Markt Schiffbruch mit seinem ersten Anlauf in Sachen (H0/00-)Slotcar. Durch den großen Mabuchi 15M-Motor (der in verlängerter Form später auch 1:24-Autos antreibt), sind die beiden Pkw in der Bahnpackung nicht gerade attraktiv proportioniert. Mit ihren zwei Leitkielen, dem Frontantrieb und den im Heck angebrachten Stromabnehmern fahren sie wohl auch nicht besonders.
Es folgt Marusan-Chassis Nr. 2.
Die Frage ist: wann?
Wenn es stimmt, dass Marusan bereits 1961 eine Liefervereinbarung mit Atlas über „H0“-Chassis, sowie Schienen und Regelpulte abschließt, dann muss die Vereinbarung auf diesem zweiten Chassis basieren. Denn was Atlas dann im US-Markt anbietet, nutzt ja eben jenes Chassis Nr. 2.
http://www.slotforum.com/forums/index.ph...t&p=818437
Wir können also davon ausgehen, dass Konzeption und Konstruktion des zweiten Marusan-Chassis beim Vertragsabschluß mit Atlas klar waren. Womöglich existierten bereits Handmuster oder fahrbereite Prototypen. Vielleicht war man auch schon mitten in der Produktion. Wie gesagt: das könnte alles noch 1961 gewesen sein. Bernard Sampson (siehe den Link oben) datiert das zweite Marusan-Chassis auf etwa 1962. Er meint vermutlich die Markteinführung.
Wichtig ist: dieses zweite Marusan-Chassis trug den Urvater aller Blockmotoren. Der musste also 1961 bereits seit einiger Zeit verfügbar gewesen sein. Nur: woher stammte er?
Auf einigen Fotos scheint in Marusan Nr. 2 tatsächlich ein Marx-Motor eingebaut. Aber wer weiß schon, wann das fotografierte Chassis vom Band lief? Sobald ein Chassis längere Zeit unverändert in der Produktion bleibt, wird die Datierung logischerweise ein Problem. Und – um die Sache nicht allzu einfach zu machen: Ich habe das Bild eines Marusan-Motors, der völlig (...!) identisch scheint mit Marx-Motoren – außer, dass er das „SAN“ von „Marusan“ auf dem Motorkopf trägt und dazu die Aufschrift „Japan“. - Himmel hilf!
Die Patentanmeldung für den Marx-Blockmotor dürfte im November 1961 etwa zeitgleich erfolgt sein mit dessen Markteinführung. Und wenn man im Netz ein wenig wühlt, entdeckt man, dass Marx auch für Modellboote kleine Motoren entwickelte.
Damit ergibt sich folgende Überlegung: Wenn Marx tatsächlich den Motor für das zweite Marusan-Chassis lieferte, war dann jenes Chassis wirklich eine japanische Entwicklung? Oder hatte Marusan bei Marx abgeschaut? Es lohnt sich, mal per Bildersuche zu vergleichen: Marusan Nr. 2 (Aufschrift auf der Unterseite „NEW“) und das, was wir als frühes Marx-Chassis kennen, könnten eineiige Zwillige sein.
Andererseits: Marusan-Chassis Nr. 1 mit dem übergroßen Mabuchi hatte schon das Zweistufengetriebe (wenn auch noch etwas einfacher). War auch das bei Marx abgeschaut? Oder hatte – umgekehrt - der US-Hersteller nach Japan geschielt? In den Sechzigern hätte das jeder für undenkbar gehalten. Japanische Firmen galten damals als gnadenlose Kopisten. Der erste japanische Kunststoffbausatz – das US-Atom-U-Boot „Nautilus“ – kam von Marusan und war die exakte Kopie eines Revell-Bausatzes.
Als Datum für die Marx-Markteinführung nannte die Slotpedia das Jahr 1962 (http://www.slotpedia.de/index.php/Marx). Dazu passen im Netz Bilder einiger Marx-Monoposto-Prototypen vom Dezember 1961. Deren Innenleben wird leider nicht gezeigt. Es könnten die Vorläufer von Batterie-befeuerten Rennwagen gewesen sein für Marx-Kurse, wie „Speedmarx“, „Flyover Speedway Auto racing Set“ oder „Sebring Deluxe“. Sie alle zeigen auf ihren Kartons Monoposti.
Möglicherweise lag die Marx-Markteinführung aber noch vor 1962. Den bislang frühsten Hinweis kenne ich aus der Zeitschrift „American Modeler“. Sie zeigte im Januar 1962 eine Zeichnung, die Fahrbahnbreiten verschiedener Slotracing-Hersteller und Maßstäbe verglich. Die schmalste Schiene stammte von Marx. Wenn man die damals nötigen Vorläufe für Magazin-Veröffentlichungen bedenkt, dann müßte die Marx-Bahn bereits im Weihnachtsgeschäft 1961 auf dem Markt gewesen sein. Auch die Patentanmeldung des Blockmotors vom November deutet ja in diesen Zeitraum. Gab es also vor den Monoposti-Prototypen im Handel schon Marx-Bahnpackungen mit anderen Fahrzeugen? Falls ja, könnte es eng werden für meine Idee von Marusan als Vorbild des ersten Faller-Chassis.
Bislang hatten wir hier die Marx-Konstrukteure immer als mäßig begabte Kopisten abgetan. Besonders hübsch sind ihre H0-Autos in dieser Anlaufphase tatsächlich nicht. Auch deren Motor nannte der Slotpedia-Autor zum Thema "Marx" einstmals „uninspiriert“. Und Mario hatte ja auf einem seiner Marx –Motoren sogar das Zeichen „KMK“ (= Mabuchi) und das Wort „Japan“ gefunden (http://www.h0slot.de/index.php/topic/810...entry57866). Auch hier wieder die - kaum mehr beantwortbare - Frage: von wann stammte der Motor (und war er von Anfang an in diesem Chassis)?
Können wir, angesichts der Patentanmeldung vom November 1961 für den Blockmotor, immer noch davon ausgehen, dass Marx bei Marusan kopierte? Über die Anfänge der Mabuchi-Blockmotoren ist wenig zu finden. Als frühstes gesichertes Datum für einen R-1 habe ich bislang nur den Juni 1964. Aber ihn oder einen Vorläufer hat es wohl schon früher gegegeben. Eine Patentanmeldung für Blockmotoren von Mabuchi konnte ich für die frühen Sechziger Jahre bislang nicht entdecken.
Eines, allerdings, glaube ich nicht mehr: nämlich, dass Faller die A.M.S. mit Atlas-Lizenzen gebaut hat. Das kann man immer wieder lesen. Und tatsächlich bestanden ja Geschäftsbeziehungen zwischen beiden Unternehmen. Wir kennen Atlas-Packungen mit Faller-Häuschen für den US-Markt. Im Bereich Slotracing führte diese Zusammenarbeit 1966/67 bekanntlich zur Übernahme des von Atlas abgestoßenen 1:32-Slotracer-Sortiments (das größtenteils aus der Produktion von Marusan stammte). Wie aber Atlas Auslands-Lizenzen vergeben haben könnte für H0-Chassis, die von Marusan stammten?, das übersteigt meine Phantasie.
Zugegeben: man kann diese Überlegungen pseudoakademische Haarspaltereien nennen. Für mich entstehen sie daraus, dass Faller bei der Einführung von A.M.S. das Plattenchassis mit Blockmotor und Zweistufengetriebe 1:1 übernahm. Bleibt die Frage: woher...?
- HansHH
Marusan erleidet 1961 oder bald darauf im japanischen Markt Schiffbruch mit seinem ersten Anlauf in Sachen (H0/00-)Slotcar. Durch den großen Mabuchi 15M-Motor (der in verlängerter Form später auch 1:24-Autos antreibt), sind die beiden Pkw in der Bahnpackung nicht gerade attraktiv proportioniert. Mit ihren zwei Leitkielen, dem Frontantrieb und den im Heck angebrachten Stromabnehmern fahren sie wohl auch nicht besonders.
Es folgt Marusan-Chassis Nr. 2.
Die Frage ist: wann?
Wenn es stimmt, dass Marusan bereits 1961 eine Liefervereinbarung mit Atlas über „H0“-Chassis, sowie Schienen und Regelpulte abschließt, dann muss die Vereinbarung auf diesem zweiten Chassis basieren. Denn was Atlas dann im US-Markt anbietet, nutzt ja eben jenes Chassis Nr. 2.
http://www.slotforum.com/forums/index.ph...t&p=818437
Wir können also davon ausgehen, dass Konzeption und Konstruktion des zweiten Marusan-Chassis beim Vertragsabschluß mit Atlas klar waren. Womöglich existierten bereits Handmuster oder fahrbereite Prototypen. Vielleicht war man auch schon mitten in der Produktion. Wie gesagt: das könnte alles noch 1961 gewesen sein. Bernard Sampson (siehe den Link oben) datiert das zweite Marusan-Chassis auf etwa 1962. Er meint vermutlich die Markteinführung.
Wichtig ist: dieses zweite Marusan-Chassis trug den Urvater aller Blockmotoren. Der musste also 1961 bereits seit einiger Zeit verfügbar gewesen sein. Nur: woher stammte er?
Auf einigen Fotos scheint in Marusan Nr. 2 tatsächlich ein Marx-Motor eingebaut. Aber wer weiß schon, wann das fotografierte Chassis vom Band lief? Sobald ein Chassis längere Zeit unverändert in der Produktion bleibt, wird die Datierung logischerweise ein Problem. Und – um die Sache nicht allzu einfach zu machen: Ich habe das Bild eines Marusan-Motors, der völlig (...!) identisch scheint mit Marx-Motoren – außer, dass er das „SAN“ von „Marusan“ auf dem Motorkopf trägt und dazu die Aufschrift „Japan“. - Himmel hilf!
Die Patentanmeldung für den Marx-Blockmotor dürfte im November 1961 etwa zeitgleich erfolgt sein mit dessen Markteinführung. Und wenn man im Netz ein wenig wühlt, entdeckt man, dass Marx auch für Modellboote kleine Motoren entwickelte.
Damit ergibt sich folgende Überlegung: Wenn Marx tatsächlich den Motor für das zweite Marusan-Chassis lieferte, war dann jenes Chassis wirklich eine japanische Entwicklung? Oder hatte Marusan bei Marx abgeschaut? Es lohnt sich, mal per Bildersuche zu vergleichen: Marusan Nr. 2 (Aufschrift auf der Unterseite „NEW“) und das, was wir als frühes Marx-Chassis kennen, könnten eineiige Zwillige sein.
Andererseits: Marusan-Chassis Nr. 1 mit dem übergroßen Mabuchi hatte schon das Zweistufengetriebe (wenn auch noch etwas einfacher). War auch das bei Marx abgeschaut? Oder hatte – umgekehrt - der US-Hersteller nach Japan geschielt? In den Sechzigern hätte das jeder für undenkbar gehalten. Japanische Firmen galten damals als gnadenlose Kopisten. Der erste japanische Kunststoffbausatz – das US-Atom-U-Boot „Nautilus“ – kam von Marusan und war die exakte Kopie eines Revell-Bausatzes.
Als Datum für die Marx-Markteinführung nannte die Slotpedia das Jahr 1962 (http://www.slotpedia.de/index.php/Marx). Dazu passen im Netz Bilder einiger Marx-Monoposto-Prototypen vom Dezember 1961. Deren Innenleben wird leider nicht gezeigt. Es könnten die Vorläufer von Batterie-befeuerten Rennwagen gewesen sein für Marx-Kurse, wie „Speedmarx“, „Flyover Speedway Auto racing Set“ oder „Sebring Deluxe“. Sie alle zeigen auf ihren Kartons Monoposti.
Möglicherweise lag die Marx-Markteinführung aber noch vor 1962. Den bislang frühsten Hinweis kenne ich aus der Zeitschrift „American Modeler“. Sie zeigte im Januar 1962 eine Zeichnung, die Fahrbahnbreiten verschiedener Slotracing-Hersteller und Maßstäbe verglich. Die schmalste Schiene stammte von Marx. Wenn man die damals nötigen Vorläufe für Magazin-Veröffentlichungen bedenkt, dann müßte die Marx-Bahn bereits im Weihnachtsgeschäft 1961 auf dem Markt gewesen sein. Auch die Patentanmeldung des Blockmotors vom November deutet ja in diesen Zeitraum. Gab es also vor den Monoposti-Prototypen im Handel schon Marx-Bahnpackungen mit anderen Fahrzeugen? Falls ja, könnte es eng werden für meine Idee von Marusan als Vorbild des ersten Faller-Chassis.
Bislang hatten wir hier die Marx-Konstrukteure immer als mäßig begabte Kopisten abgetan. Besonders hübsch sind ihre H0-Autos in dieser Anlaufphase tatsächlich nicht. Auch deren Motor nannte der Slotpedia-Autor zum Thema "Marx" einstmals „uninspiriert“. Und Mario hatte ja auf einem seiner Marx –Motoren sogar das Zeichen „KMK“ (= Mabuchi) und das Wort „Japan“ gefunden (http://www.h0slot.de/index.php/topic/810...entry57866). Auch hier wieder die - kaum mehr beantwortbare - Frage: von wann stammte der Motor (und war er von Anfang an in diesem Chassis)?
Können wir, angesichts der Patentanmeldung vom November 1961 für den Blockmotor, immer noch davon ausgehen, dass Marx bei Marusan kopierte? Über die Anfänge der Mabuchi-Blockmotoren ist wenig zu finden. Als frühstes gesichertes Datum für einen R-1 habe ich bislang nur den Juni 1964. Aber ihn oder einen Vorläufer hat es wohl schon früher gegegeben. Eine Patentanmeldung für Blockmotoren von Mabuchi konnte ich für die frühen Sechziger Jahre bislang nicht entdecken.
Eines, allerdings, glaube ich nicht mehr: nämlich, dass Faller die A.M.S. mit Atlas-Lizenzen gebaut hat. Das kann man immer wieder lesen. Und tatsächlich bestanden ja Geschäftsbeziehungen zwischen beiden Unternehmen. Wir kennen Atlas-Packungen mit Faller-Häuschen für den US-Markt. Im Bereich Slotracing führte diese Zusammenarbeit 1966/67 bekanntlich zur Übernahme des von Atlas abgestoßenen 1:32-Slotracer-Sortiments (das größtenteils aus der Produktion von Marusan stammte). Wie aber Atlas Auslands-Lizenzen vergeben haben könnte für H0-Chassis, die von Marusan stammten?, das übersteigt meine Phantasie.
Zugegeben: man kann diese Überlegungen pseudoakademische Haarspaltereien nennen. Für mich entstehen sie daraus, dass Faller bei der Einführung von A.M.S. das Plattenchassis mit Blockmotor und Zweistufengetriebe 1:1 übernahm. Bleibt die Frage: woher...?
- HansHH

