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Parallelen von Faller zu anderen Slotcar-Herstellern
#1
Hallöchen zusammen!

Klasse dass es nun eine Rubrik "Historisches" gibt!
Nun können wir vielleicht endlich mal aufarbeiten, was die vergangenen Jahrzehnte so an geschichtichem Wertgut in Vergessenheit geraten ist.

Losgetreten wurde der Stein in folgendem Beitrag von Hans, der versuchte die Veröffentlichungen verschiedener Hersteller chronologisch zu ordnen:

http://www.h0-slot.de/showthread.php?tid=32

Hängen geblieben ist eigentlich doch wieder nur der Vergleich von Faller zu anderen Marken.
Nichts desto trotz sehr spannendes Thema was wir hier nun weiterführen sollten.

Liebe Grüße,
Mathis
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#2
Danke DANIEL! Heart Heart Heart !

Es ist beeindruckend, mit welchem Tempo Du den Umstieg abwickelst.

Ich trenne mich gerade von einem grippalen Infekt, bin daher wohl erst in der nächsten Woche voll einsatzfähig. Dann aber würde ich hier gerne eine erweiterte chronologische Übersicht zu den Anfängen von H0 plazieren - als Bezugspunkt und als Ausgangsmaterial für Ergänzungen, Präzisierungen, Fragen, etc.  

Sobald ich die Funktion "neuer Thread" entdecke, werde ich auch einen Beitrag zur Faller-Broschüre 851/D posten. Thema ist das Verhältnis des Hauses Faller zum Motorsport in der Frühphase der A.M.S..  Der Text liegt bereits vor.  Ich will Dir nur die Mühe ersparen, ihn dann nachträglich verschieben zu müssen.

Übrigens: Der Link von Mathis (hier weiter oben) führt ins Nix.


Ein schönes Wochenende:

- HansHH
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#3
Was wir bisher zu wissen glauben - oder:

Marusan - Faller und Brüder, Brüder, Brüder...

DIE BEKANNTE VORGESCHICHTE  

Vermutlich schon 1954 beginnen Derek Brand (28), Carl Robbins und ein weiterer englischer Tüftler auf Puerto Rico für das US-Unternehmen „Gowland“ mit der Entwicklung von elektrischen Modellautos im Eisenbahn-Maßstab 00 (ca. 1:76). „Gowland“ wird später übernommen von „Crafco“. Die Arbeit an den kleinen Autos geht jedoch weiter. Sie läuft zäh, weil die verfügbaren Modelleisenbahn-Motoren für diese Aufgabe ungeeignet sind und andere Kleinstmotoren nicht zu entdecken.

Im Jahr 1956 überreden die Polk-Brüder (New Yorks führende Spielzeug-Händler) ihren Lieferanten Fred Francis (Inhaber der englischen Modellauto-Manufaktur „Minimodels Ltd.“) zur Entwicklung einer elektrischen Modellautorennbahn. Daraus entsteht 1957 „Scalextric” (1:27): der Beginn des weltweiten Slotracing-Boom!

Derek Brand  + Co. haben derweil im deutlich kleineren Maßstab Autos mit Vibrationsantrieb zustande gebracht und auch eine passende Bahn. Die englischen Lizenzen ihrer Entwicklung gehen an „Mettoy Playcraft“. Die Produktion beginnt dort 1958. „Mettoy Playcraft“ vermarktet sein „Electric Highways Road System“ als Straßenverkehr-Ergänzung zur Modelleisenbahn. Im englischen Markt, den „Scalextric“ mit elektrischem Motorsport großflächig abräumt, kann man damit nicht bestehen.

Nach einigem Hinundher gehen die US-Lizenzen für die Produktion und den Vertrieb der Vibrator-Autos im Februar 1960 an „Aurora“ (New Jersey). Im Gegensatz zu „Mettoy Playcraft“, setzt „Aurora“ auf das Erfolgsrezept von „Scalextric“: Motorsport.

Die US-Markteinführung von “Model motoring” im Weihnachtsgeschäft 1960 wird ein Mega-Erfolg. „Aurora“ verkauft in knapp drei Monaten zwei Millionen -Bahnen und 12 Millionen Fahrzeuge. Damit zündet die zweite Stufe des weltweiten Slotracing-Boom.

Angeblich noch 1960, überredet Charles C. Merzbach - der US-Repräsentant von „Faller“ und  mehrerer deutscher Modelleisenbahn-Hersteller - die Brüder Faller, sich den Erfolg von „Aurora“ zum Vorbild zu nehmen.


MARUSAN

Zwei Brüder gründen 1947 mit einem weiteren Verwandten in Tokio „Marusan“ - eine kleine Manufaktur zur Herstellung von Spielzeug-Ferngläsern und Teleskopen. Später verlegt sich das Unternehmen auf Blechspielzeuge. Ein präzise detaillierter 51er „Cadillac“ (1:8?) wird 1953 im heimischen Markt und in den USA ein Erfolg. Im Jahr 1959 bietet „Marusan“ den ersten japanischen Kunststoffbausatz: das (im Original nuklear angetriebene) US U-Boot „SSN-571 Nautilus“ - berühmt durch seine Tauchfahrt zum Nordpol.

„Marusan“ denkt global. Die Firma vermietet ihre teuren Spritzgussformen an andere Unternehmen oder tauscht sie mit deren Formen. „Revell“, „Lindberg“, „Monogram“ und  „Elvin“ gehören zu dieser Verwertungsgemeinschaft. Zeitweise firmiert „Marusan“ als „Revell Japan“.

Und nun wird es interessant:

Einblicke in den weiteren Verlauf verdanken wir einer kleinen Gruppe von Enthusiasten, die sich bei „slotforum.com“ mit der Geschichte des Slotracing beschäftigen. Als ihr „Mastermind“ darf Philippe de Lespinay gelten (auch bekannt als „TSRF“ oder „The Dokk“). Er ist Kurator des privaten „Los Angeles Slotcar Museum“ (LASM) und arbeitet seit Jahren am ultimativen Slotcar-Buch, das einstmals jedes jemals gebaute Fahrzeug (!) enthalten soll. De Lespinay war in seiner Jugend als erfolgreicher Profi-Slotracer und Entwickler des „Cox“ H0-Systems ein Teil jener Geschichte, die er heute erforscht.

Bemerkenswert bei „slotforum.com“ sind auch die Beiträge des texanischen Sammlers Bernard Sampson. Er hat sich auf die frühe Slotcar-Geschichte spezialisiert und präsentiert immer wieder kostbare Erwerbungen. Der nachfolgende Link handelt von einer ganz besonderen Entdeckung. Sampson zeigt hier die allererste „Marusan“-Bahn.

http://www.slotforum.com/forums/index.ph...t&p=818432

Diese Rarität war ursprünglich nur für den japanischen Markt bestimmt und nicht lange im Handel. Markteinführung  vermutlich zweite Hälfte des Jahres 1961.

Die Autos sind kurios. Für H0 viel zu groß, haben sie Frontantrieb und die Schleifer unter dem Heck. Das alles bewegte sich nur deshalb auf der Schiene, weil man zwei Leitkiele verbaute: vorne und hinten.

Als Motor diente der „Mabuchi Type 15“. Mit diesem – hier völlig überdimensionierten - Spielzeugantrieb war das japanische Kleinstunternehmen „Mabuchi“ (KMK) schon 1959 in den jungen Slotcar-Markt eingestiegen. Die „Polk Brothers“ in New York hatten darauf gedrängt. Einer der besten Ratschläge in der Wirtschaftsgeschichte! „Slot racing“ machte aus der 10 Mitarbeiter-Bastelbude „Mabuchi“ den weltweit führenden Elektromotor-Produzenten.
Heutiger Ausstoß: Acht Millionen Motoren.
Täglich!
Hauptabnehmer: die Autoindustrie.

Variationen des „Mabuchi  Type 15“ trieben später größere Renner von „Strombeker“, „Eldon“ und „AMT“. Bei 12 Volt bot er dort spektakuläre 15000 U/min. Verglichen mit den 1:24-Versionen, ist der von „Marusan“ verbaute „Type 15“ kürzer. Dürfte daran liegen, dass hier pro Auto nur Strom aus zwei 1,5 Volt-Batterien zur Verfügung stand.

Und noch etwas fällt auf: das erste „Marusan“-Chassis hatte ein zweistufiges Getriebe. Kennern der sehr frühen „A.M.S.“-Geschichte wird es vertraut vorkommen...

Man ahnt schon anhand der Beschreibung: das „rückwärts fahrende“ erste „Marusan“-Chassis war nicht gerade der Hit! Unmittelbar darauf folgte daher bei „Marusan“ ein kürzeres Chassis, über das man gar nicht genug wissen kann. Denn dieses Chassis hatte einen Antrieb, der besser zum beabsichtigten Maßstab passte: den ersten Blockmotor in einem Slotcar. Ich kann es noch nicht 1000%ig belegen, verspreche aber, nicht überrascht sein, wenn sich herausstellt, dass dies ein „Mabuchi“ („KMK“) war. Die Polk-Brüder werden 1964 solch einen „Mabuchi“ („KMK“)-Motor (oder dessen Nachfolger) in ihrem „Aristocraft“-Sortiment „R-1“ nennen.

Die Markteinführung des „Marusan“-Chassis #2 dürfte 1962 gewesen sein. Auf Bildern im Netz findet man es unter dem „Marusan“-„Buckel-Volvo“ (PV554) montiert oder unter dem „H0 Sherman Army Tank“ (#998). Es hat weiterhin das Zwei Stufen-Getriebe. Und, wie sein Motor, so ist auch dieses Chassis der Anfang einer bemerkenswerten Entwicklung. Sie beruht auf einer internationalen Zusammenarbeit im Sektor Modelleisenbahnen und verläuft parallel zu Aufzucht, Pflege und Wartung des Flachankers bei „Aurora“ (Markteinführung 1963). Ausgangspunkt ist „Marusan“ in Tokio. Weitere Stationen sind „Atlas“ und „Lionel“ in New Jersey und bald auch „Eldon“. Der US-Spielzeugriese „Marx“ wird die Produkte dieser Kooperation kopieren, erreicht aber nicht die Qualität der Vorbilder. Und in die Geschichte dieses Chassis gehört dann sehr-sehr früh das erste „Faller“-Chassis.

So, wie es im Moment aussieht, stand also nicht „Atlas“ Pate bei den ersten „A.M.S.“-Chassis, sondern „Marusan“.

Es ist bekannt, dass „Atlas“ 1961 einen Vertrag mit „Marusan“ schließt. „Atlas“ wird von „Marusan“ Bahnteile, Chassis, Geschwindigkeitsregler (Armaturenbrett mit Lenkrad) und andere Komponenten für den US-Vertrieb unter dem „Atlas“-Label beziehen. „Atlas“ liefert im Gegenzug (vermutlich) Karosserien. Ein ähnliches Abkommen entsteht zwischen „Marusan“ und „Eldon“. Der zeitliche Rahmen legt nahe, dass sich beide Vereinbarungen auf das „Marusan“-Chassis #2 mit Blockmotor beziehen. In der „Marusan“-Geschichte folgt später noch ein drittes Chassis. Siehe nachfolgende Übersicht.

_________________________________________________________


Die drei Marusan H0-Chassis:

#1 (Markteinführung vermutl. Ende 1961) mit Mabuchi 15 – Motor. Zwei Stufen- Getriebe. Frontantrieb. Schleifer sind unter dem Heck! Zwei Leitkiele. Farbe: schwarz.

#2 (Markteinführung vermutl. 1962) mit Blockmotor (Mabuchi?) und weiterhin zweistufigem Getriebe. Beispiele: „Volvo“ 544, „Sherman Tank“ 998 (m. 1 und 2 Leitkielen). Wird übernommen von „Atlas“ (New Jersey) und ist erkennbar die Vorlage für das erste Chassis der A.M.S. und andere Anbieter. Farbe: grau.

#3 (Markteinführung ???) wie oben mit Zwei Stufen-Getriebe, aber mit der Aufschrift „NEW“ vor der Hinterachse. Beispiele: “Oldsmobile Starfire” 1288, “Station Wagon” 1299, “Prince Gloria Ambulance” (m. 1 und 2 Leitkielen), “Toyopet Police Cruiser”. Farbe: grau.

#2 + #3 können in unterschiedlichen Graustufen auftreten. Das sagt nichts über ihr Entstehungsdatum..

_________________________________________________________

Die Faller-Brüder werden das „Marusan“-Chassis #2 lange vor dessen Markteinführung gesehen haben. Die Frage ist, was dann geschah?

De Lespinay verweist darauf, dass „Marusan“ und „Mabuchi“ damals überall dort den Kunden-Namen im Produkt einfügten, wo es erwünscht war – einschließlich eines „Made in USA“.

Also auch „Faller“ und „Made in Germany“?



FALLER

Philippe de Lespinay behauptet: „Marusan sold to Faller“. Für 1:32 und 1:24 ist das in den späten Sechtigern belegt. Aber bezieht es sich auch auf H0 in den Jahren 1961-63?

Wir wissen, dass der eine oder andere Faller-Bruder in Japan war, um zu sehen, was die Mitbewerber so trieben.

Das hier ist jetzt reine Fiktion, aber man stelle sich mal diese – nicht völlig unplausible - Situation vor:

Zwei Brüder gründen 1947 ein Modellbau-Unternehmen und stehen auf der Spielwarenmesse in Tokio plötzlich vor zwei Brüdern, die 1946 ein Modellbau-Unternehmen gegründet haben - und die ihnen nun eine Kooperation anbieten. Die Rede ist von den Herren Haruyasu + Minoru Ishida („Marusan“, 1947) und von den „Gebrüdern Faller“ (Gründung 1946). Und nun schieben wir einen gewissen Kenichi Mabuchi in die Szene, der 1946 ein Labor eröffnet hat zur Entwicklung hocheffizienter kleiner Elektromotoren. Damit dann richtig Schwung in die Sache kommt, haben wir als Katalysator noch den Auftritt des dritten Brüderpaars: der Polk Brothers aus New York. Die werden später vollmundig behaupten, ohne sie hätte es kein Slot racing gegeben: „Wir haben das erfunden!“. Nicht wahr: man hört den Sake bei solch einem Treffen förmlich rauschen („Gaaambaiii!“) und man hört das – selbstverständlich unzentrische - Rad der Modellautogeschichte sich knirschend weiterdrehen!

Wie auch immer es gewesen sein mag: Tatsache ist, dass der Wehrmachts-Hauptmann a. D. (Nachrichtentruppe) Edwin Faller (48) und der ehemalige Bosch-Ingenieur Hermann Faller (47) im Februar 1962 auf der Nürnberger Spielwarenmesse das Projekt „Faller a. m. s.“ ankündigen. Zu diesem Zeitpunkt muß ihnen also einigermaßen klar gewesen sein, wie die Sache abzulaufen hat.

Tatsache ist auch, dass die Technik der „Faller“-Fahrzeuge bei der Markteinführung im Herbst 1963 eben keine „eigenständige Entwicklung“ ist (wie man gelegentlich lesen kann). - Nein: diese Technik stammt unübersehbar aus Tokio! Alleine der Blockmotor und das - womöglich mit „Marusan“ völlig baugleiche - Zwei Stufen-Getriebe belegen dies. Auch die „Faller“-Schienen ähneln in bemerkenswert vielen Punkten denen von „Marusan“, obwohl man liest, sie seien mit ihnen nicht kompatibel. Aber man schaue sich auf Fotos nur mal die Unterseite der Bahnteile an! Die zeitgleich eingeführten Bahnen von „Lionel“ und „Atlas“ passen an „Marusan“ (wo sie ja herstammen). Und die von „Marx“ auch. Blockmotor und Getriebe ähneln bei „Marx“ dem „Marusan“-Chassis #2. - Kopien? Lizenzfertigungen? In Tokio eingekauft?

Was die frühen „Faller“-Blockmotoren angeht, so zeigen deren Anker erstaunliche Ähnlichkeiten mit den Ankern der allerersten „Tyco S“-Serie (ebenfalls 1963 eingeführt). Mathis hat sich die Mühe gemacht, mal nachzuzählen: die Anker haben unterschiedlich viele Lamellen. Ihre Farbe scheint jedoch seltsamerweise identisch.

Hm?

Hat eigentlich mal irgendwer einen stilisierten Tannenbaum auf der U-Klammer eines „Faller“-Blomo entdeckt? Das war in den Fünzigern das Signet von „Faller“ und kurioserweise auch von „Bühler“ (ein Nürnberger E-Motorenbauer mit Wurzeln im Schwarzwald). Man liest gelegentlich, dass die frühen „Faller“-Blomos vom „Bühler“ stammten. Falls das so war, hatte man sich in Nürnberg von „Mabuchi“ „inspirieren“ lassen oder aus Tokio Lizenzen und/oder Anker bezogen.

Über die Anfangsjahre der „A.M.S.“ liest man gelegentlich auch, „Faller“ habe mit USamerikanischen Lizenzen produziert. „Atlas“ kann damit nicht gemeint sein. Die hatten in diesem Bereich keine Patente. Andere Autoren behaupten wiederum, Brands Vibratoren seien in der BRD nicht patentiert gewesen. Beides scheint wenig von Bedeutung, denn „Faller“ ging ja einen völlig anderen Weg.

Als Thema für Lizenzzahlungen in die USA hätte sich – falls überhaupt - nur die identische Stromübertragung auf die Fahrzeuge angeboten. Welche Vereinbarungen zwischen „Marusan“ und „Faller“ bestanden, das wäre noch zu klären.


- HansHH
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#4
Hallo Hans,

ich liebe solche Abhandlungen, es ist immer interessant zu lesen, wie Dinge entstanden sind.
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#5
Ich bin kein Faller Sammler. Ich nutze die Produkte aus dem Hause Faller auschließlich in der Flachankerversion und nur um sie möglichst schnell auf der Rennpiste zu bewegen.

Aber das geballte Wissen der historisch Interessierten unter uns beeindruckt mich tief. Ich lese voller Interesse mit und warte auf die Fortsetzungen, die da noch kommen.

Chapeau, nicht nur für diesen Beitrag.
Markus
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#6
Ja, ich denke, da hat uns Dainel mit der "Historiker"-Ecke was gutes getan. Man muß ja nicht ständig in grauer Theorie und brüchigen alten Magazinen oder Katalogen schwelgen - aber manchmal ist ein wenig Hintergrund schon ganz nett. Und eine Sache, in die soviel persönliche Energie hineingeht, wie in unsere, die hat es eben auch verdient, dass man mal darüber nachdenkt, was da im Kern die waltenden Kräfte waren?

Ich jedenfalls, hätte in meiner Kindheit nicht gedacht, dass die Bezüge dessen, was ich da mache bis Tokio reichen. "Faller" war irgendwo im Schwarzwald. Und fertig.

- HansHH
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#7
danke HansHH für Deine net te halbe Doktorarbeit

allem anschein nach KEINE past und copy-arbeit
da ich Deine talente kenne und Deinen sammeltrieb..
einfach noch mal DANKE

cu, DC
die welt braucht mehr Ver-Rückte

seht was die Normalen aus Ihr gemacht haben. DC
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#8
Grüße euch!

@Hans- da ich schnell ins Bettchen muss hab ich den langen Post von hinten angefangen.
Deswegen schonmal zu der Frage der Klammern:

Auf nahezu allen Klammern ist eingestanzt:
"FALLER"
"Made in Germany"
Ob es nun die ersten, schwarzen Klammern sind oder die späten Messingklammern ist dabei egal, steht auf fast allen.
Aus Erfahrung würde ich sagen ganz zum Schluss gab es ein paar wenige die keine Prägung bekommen haben, sind aber wirklich nicht viele.

JEDOCH:
Liegt hier eine Klammer vor mir, die schwarz ist wie die ersten Klammern, jedoch die Form der späteren Messingklammern hat. Diese hat KEINE Prägung.
Da die beim Stanzen der AMS-Klammern enstandenen typischen Merkmale auch hier vorhanden sind, zweifel ich die Echtheit nicht an. In wirklich ganz ganz wenigen B2/1 Motoren wo von brauen Blomo-Gehäusen auf weiße Blomo-Gehäuse gewechselt wurde hab ich die gefunden. Also um es mal in Zahlen zu nennen dürften es einige 100 Motoren gewesen sein die ich in den Händen hatte und diese akribisch nach Unterschieden analysiert habe, und mir liegen nur 3 von diesen Klammern vor.
Ob diese Zahl nun Representativ ist, ist eine andere Frage.....
Können auch nur Tests seitens Faller gewesen sein oder Ausschussware die ja trotzdem gerne mal verbaut wurde.

Übrigens fällt mir grade so auf:
Faller scheint der einzige Hersteller zu sein der seine Klammern mit Messing galvanisiert hat oder?
Eigentlich völlig sinnfrei, da die Klammer aus Eisen ist und keinen Strom leiten soll/muss.
Sieht nur schön aus und war teuer in der Produktion.

Bilder von dem Klammern gibts morgen.

Liebe Grüße,
Mathis
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#9
Mathis,
ich habe im Netz mal das Foto eines sehr frühen Mabuchi square type gefunden, der dem Messing-galvansierten Faller sehr-sehr ähnlich sieht. Werde die Tage mal den Link dazu rausfummeln. Bin auf dem Sprung.

Gruß:

- HansHH
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#10
Ich denke nicht, dass es galvanisiert ist sondern chromatiert. Deshalb auch die Messingfarbe. Ist ein Passivieren der Oberfläche um Korrosion zu verhindern. Billiger als galvanisieren, die Werkstück werden dabei in ein Passivierungsbad getaucht. Der Prozess läuft ohne Einsatz von Strom ab.

Faller ist nur von einem auf einanderes Verfahren geschwenkt, vorher wurden sie brüniert.

Mario
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#11
Und wieder was gelernt!

- HansHH
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#12
Hallo Mario,

dann kann ich mir aber nicht erklähren wieso die am laufenden Band grün anlaufen wie es typisch für Kupfer und Messing ist?

Liebe Grüße,
Mathis


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#13
Kurz mal ein „Danke“ zurück an alle, die sich für meinen Abriss über Marusan & Faller bedankt haben. Das kommt ziemlich gut, wenn man knietief in zerknüllten Tempotüchern dagesessen hat - tipp-tipp-tipp - mit Wärmeflasche auf der Brust. Weil: immer nur Bett ist selbst beim nettesten grippalen Infekt irgendwann öde.

Als ich Daniel um eine Rubrik „Historisches“ bat, da hatte ich eine Art „Bestandsaufnahme“ im Sinn: was wissen wir über die Anfänge und Hintergründe unseres Hobbys? Was hier bereits in den ersten Tagen zusammengekam, war dann mehr, als ich erwartet hatte. Alleine einen Satz zu lesen, wie "die beim Stanzen der AMS-Klammern enstandenen typischen Merkmale ". Also - das ist schon Hammer, Mathis!

Übrigens: Toll auch Peters Aktion „Kataloge auf DVD“!

Nein – photomann – eine Doktorarbeit sollte das nicht werden, auch keine halbe. Wer liest schon Texte mit Fussnoten? Es ging nur darum, die Gütenbach-Fernost-Connection etwas genauer zu skizzieren – auch um andere Meinungen zu hören und weil einiges davon noch nicht so bekannt schien. Deshalb hab’ ich das schnell mal runtergeschrotet.  

Ach ja: und der "Marusan"-Blech-Caddy war ja wohl eher 1:18 als 1:8 (Tippfehler).

Was meine Vision eines Treffen der Brüder mit den Brüdern angeht: das solltet Ihr bitte-bitte nicht wörtlich nehmen. Die „1. Japan International Toy Fair” in Tokio war 1962 - also zu spät für Weichenstellungen zur „A.M.S.“.

Möglich aber, dass man sich 1961 in Nürnberg getroffen hatte oder dass einer der Fallers bald nach dem Gespräch mit Merzbach in Japan gewesen war. Falls dorthin aus Gütenbach noch keine Kontakte bestanden: Merzbach hatte sie vielleicht. Aber das sind Spekulationen, wie vieles andere auch in diesem Zusammenhang.

Ob das Haus „Faller“ damals Aufzeichnungen machte über seine Messe-Kontakte? Das – und/oder Visitenkarten irgendwo einkleben/eintüten - ist doch die typische Vorgehensweise bei einem Messeauftritt. Ob solche Unterlagen noch irgendwo existieren? Ob im Nachlass der Brüder F. wohl noch Kofferanhänger nach/aus Fernost zu finden waren? Solch teure Geschäftsreisen müssen sich in der Buchhaltung deutlich niedergeschlagen haben.

Ach ja: der Duft der grossen, weiten Welt...!

- HansHH
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#14
Ach nee - Mathis, das war doch kein "Messing", was ich da im Gedächtnis hatte:

http://pic13.picturetrail.com/VOL489/222...740055.jpg

Bestandteil von:

http://www.slotcartalk.com/slotcartalk/s...#post76390

Findest Du irgendwas an diesem Motor bemerkenswert?

- HansHH
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#15
Warum es grün korodiert kann ich auch nicht erklären. Bin halt kein Techniker nur Hobbiker.

Ich bin mir auch nicht sicher, ob es Messingelektrolyte gibt, da Messing eine Legierung ist und alle anderen Galvanoprozesse die mir bekannt sind, mit reinenElemente arbeitet.

Aber bitte nagelt mich nicht fest.
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#16
Nee, festnageln wäre schlecht. Man kann in der Tat auch Legierungen abscheiden. Die meisten Gebrauchsgegenstände, die noch vor 20 Jahren vernickelt wurden, werden heute stattdessen mit einer sogenannten Weißbronze beschichtet. Die Hauptbestandteile sind Zinn, Zink und Kupfer. Vermessingen geht natürlich auch. Ein bekanntes Beispiel sind z. B. Möbelbeschläge.

Markus
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#17
Hi Jungs,

ich will hier keinen Chemiethread aufmachen, aber Grünspan ist in 99% aller Fälle Kupferoxid, das entsteht, wenn Cu mit Säuren, seltener mit Laugen, da vor allem Ammonikak in Kontakt kommt. Man sehe auf Kupferdächer, früher wurden diese nach 100 Jahren grün, heute wegen saurem Regen nach 20. Da schützt sich das Cu durch eine Oxidschicht selbstheilend, das grüne Dach hält 500 Jahre und länger.

Da wird bei dem Motor ein nicht säurefreies Öl bei der Montage oder beim Nachölen eingesetzt worden sein, vielleicht sogar ein Speiseöl mit den ja so wertvollen Omega und weiß ich Fettsäuren. Das ist billiger als gutes, säurefreies (vor allem schwefelfreies) Mineralöl.

Macht es mit einem Faserradierer oder sonst was sauber und es hält die nächsten 50 Jahre. Aber das güne Zeugs ist giftig. Ein Säurebad, ich empfehle hier ca. 10%ige Salzsäure, Zitronensäure für die zu entkalkende Kaffeekoche bei 70° geht auch,  lässt das entfettete Teil wieder in vollem Kupferrot nach 5Min. erstrahlen. Bitte danach aber gut spülen oder besser in 2%ige Sodalösung kurz tauchen, um die anhaftenden Säurereste zu neutralisieren.
Angabe ohne Obligo! Auf jeden Fall Schutzbrille aufsetzen, gut lüften wenn HCL gepanscht wird, aber das merkst dann eh.

@ Markus

hmm da bin ich aber jetzt neugierig.  Diese Weißbronze, wie wird die denn aufgebracht, galvanisch kenne ich nur  Schicht über Schicht, meist zuerst Cu,Sn, Zn, oder Aur etc..
Wird diese Legierung aus SN, Zn und Cu eventuell aufgedampft?  

Vielleicht wäre ein Rubrik Öl, Chemie,Kleber als Unterrubrik zu Werkzeug auch noch eine Option, Wink an Daniel!

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#18
hi Fritz

Deine Idee ist doch gut
mache Du doch einfach einen beitrag unter Deinem Titel in der Rubrik Werkzeuge auf, oder muss das eine extra eigene Rubrik haben

liebe grüsse aus HH an Fritz, DC
und ach
panscht Du noch Silis ???
2mm breite für Faller und t-jet??? für serienfelgen
Faller LKW Silis???
die welt braucht mehr Ver-Rückte

seht was die Normalen aus Ihr gemacht haben. DC
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#19
(08-03-2015, 02:59)f.schulz schrieb: hmm da bin ich aber jetzt neugierig.  Diese Weißbronze, wie wird die denn aufgebracht

Es gibt mehrere verschiedene Verfahren. Grundsätzliche wird Weißbronze aber aus einem Elektrolyten galvanisch abgeschieden. Ich schicke Dir gerne eine PN mit Details. Das würde sonst diesen Thread sprengen und auch vom Thema abbringen.

Gruß
Markus
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#20
hi Markus

macht doch solche themen, wenn sie nicht allzu lang sind in einer Unterrubrik unter werkzeuge auf
Materialkunde oder sonst etwas
das man das mal wiederfindet

ganz unspannend sind solche themen ja nicht
wird nicht jeden interessieren, muss ja auch nicht

auch Silicone wären spannend

oder resinsorten

und und und
erweitert betrachtet sind das alles Werkzeuge für mich
und ggf schön, mal wieder auffindbar zu sein


jeder beitrag wächst mal über sich hinaus und sprengt den eingentlichen rahmen
das dann um oder erneut unter (in diesem Falle) werkzeuge einzusetzen, fände ich gut und richtig

so wie Fritz super-geballtes tolles Chemie-wissen hat

tja, da habe ich mal wieder das Thema verfehlt


cu, DC
die welt braucht mehr Ver-Rückte

seht was die Normalen aus Ihr gemacht haben. DC
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